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Die Arbeit überfordert mich

Arbeitsbelastung, persönliche Ansprüche, Konflikte und psychische Symptome voneinander unterscheiden.

5 Min. Lesezeit · Fachlich eingeordnet

Arbeitsüberforderung ist kein rein psychologisches Problem. Zu viel Arbeit, zu wenig Personal, widersprüchliche Ziele, Mobbing oder schlechte Führung können Menschen krank machen. Gleichzeitig können persönliche Muster wie Perfektionismus, hohe Verantwortungsübernahme oder Angst vor Kritik die Belastung zusätzlich verstärken. Gute Hilfe untersucht beides.

Kurz eingeordnet

Therapie sollte nicht aus strukturellem Arbeitsstress ein individuelles „Resilienzproblem“ machen. Umgekehrt reicht ein Jobwechsel nicht immer, wenn dieselben inneren Muster überall wiederkehren.

So kann sich die Belastung im Alltag zeigen

  • Sie arbeiten regelmäßig länger, weil „es sonst niemand macht“.
  • Feierabend existiert formal, gedanklich bleiben Sie bis nachts bei offenen Aufgaben.
  • Sie können Aufgaben kaum abgeben, weil Sie Qualitätsverlust oder Kritik fürchten.
  • Konflikte mit Führung oder Kollegen machen den Arbeitsplatz emotional unsicher.
  • Sie denken täglich über Kündigung nach, fühlen sich aber zu erschöpft, um eine Entscheidung zu treffen.

Welche Unterschiede für die Einordnung wichtig sind

Objektive Überlastung

Arbeitsmenge und Ressourcen passen nicht zusammen. Das braucht organisatorische Veränderung.

Innere Überlastungsverstärker

Perfektionismus, Konfliktvermeidung, überhöhte Verantwortlichkeit oder ständige Erreichbarkeit können die Last zusätzlich erhöhen.

Depression/Burnout

Arbeitsbezogene Erschöpfung und Depression können sich überschneiden. Wenn Hoffnungslosigkeit, Interessenverlust und negative Stimmung auch außerhalb der Arbeit bestehen, muss Depression mitgeprüft werden.

Drei typische Verläufe

Zu viel Arbeit für alle

Wenn mehrere Kollegen dieselbe Überlastung erleben und Ziele objektiv unrealistisch sind, ist das ein starkes Signal für ein Organisationsproblem – nicht für persönliches Versagen.

Persönliche Standards erhöhen die Last

Wenn andere mit derselben Aufgabe zurechtkommen, Sie aber durch Perfektionismus, Kontrollbedürfnis oder Nein-Sage-Schwierigkeiten deutlich mehr investieren, kann Therapie genau dort ansetzen.

Beides gleichzeitig

Das ist häufig: schlechte Bedingungen plus hohe persönliche Ansprüche. Eine wirksame Lösung muss dann zwei Hebel bedienen, statt nur Resilienz oder nur Arbeitgeberkritik anzubieten.

Wie sich Rückzug, Druck und Erschöpfung verstärken können

  1. Zu viel Arbeit

    Hohe objektive Anforderungen.

  2. Mehr Einsatz

    Pausen, Grenzen und Delegation werden reduziert.

  3. Weniger Erholung

    Konzentration und Effizienz sinken.

  4. Noch längere Arbeit

    Fehlerangst und Zeitdruck steigen.

  5. Selbstzweifel

    Das strukturelle Problem wird als persönliches Versagen interpretiert.

Arbeitsbelastung in veränderbare Ebenen sortieren

Schreiben Sie nicht nur „zu viel Arbeit“. Je konkreter die Ebene, desto klarer die Intervention.

  1. Menge und Zeit

    Welche Aufgaben sind objektiv nicht in der verfügbaren Zeit zu schaffen?

  2. Rolle und Prioritäten

    Sind Erwartungen widersprüchlich oder unklar? Wer priorisiert offiziell?

  3. Beziehungen

    Gibt es Konflikte, Abwertung, Mobbing oder Angst vor Führung?

  4. Eigene Muster

    Wo erhöhen Sie freiwillig Standards, übernehmen fremde Verantwortung oder vermeiden Nein-Sagen?

  5. Nächster Hebel

    Ein konkretes Gespräch, eine Grenze, medizinische Hilfe oder psychotherapeutische Bearbeitung – passend zur Ebene.

Was kurzfristig entlastet – und langfristig festhalten kann

Nur Selbstmanagement

Noch eine Produktivitätsmethode repariert keine dauerhaft unrealistische Arbeitsmenge.

Nur der Arbeitgeber ist schuld

Auch bei schlechten Bedingungen kann es persönliche Muster geben, die Sie in einem anderen Job wieder mitnehmen würden.

Gesundheit erst nach Projektende

Wenn das „ruhigere Quartal“ seit Jahren nicht kommt, ist Warten selbst Teil des Problems.

Was Psychotherapie konkret bearbeiten kann

Verhaltenstherapie kann helfen, Grenzen, Perfektionismus, Konfliktverhalten und selbstwertbezogene Leistungsregeln zu bearbeiten. Dabei sollte der konkrete Arbeitsplatz immer mitgedacht werden.

Bei depressiven oder Angst-Symptomen werden diese gezielt behandelt. Bei längerer Arbeitsunfähigkeit kann die Rückkehr vorbereitet werden, ohne die Ursachen der Überlastung zu ignorieren.

Eine gute therapeutische Frage lautet nicht nur „Wie halten Sie mehr aus?“, sondern auch „Welche Anforderungen müssen geringer, klarer oder anders verteilt werden, damit Gesundheit überhaupt realistisch ist?“

Verhaltenstherapeutischer Blick

Bei Depression, Erschöpfung und Überforderung ist besonders wichtig, wie Rückzug, Aktivitätsverlust, Selbstkritik, Grübeln und äußere Belastungen zusammenspielen – und wo im Alltag wieder Handlungsspielraum entstehen kann.

Woran erste Veränderungen erkennbar werden

  • Arbeitsmenge wird realistisch priorisiert.
  • Delegation und Grenzen werden tatsächlich genutzt.
  • Gesundheit wird als Planungsgröße berücksichtigt.
  • Strukturelle Probleme und persönliche Muster werden getrennt bearbeitet.

Wann körperliche Ursachen mitgeprüft werden sollten

Bei deutlicher Erschöpfung, Schlafstörungen, körperlichen Beschwerden oder Arbeitsunfähigkeit ist ärztliche Abklärung sinnvoll. Arbeitsmedizinische oder betriebliche Stellen können zusätzlich relevant sein.

Wann professionelle Unterstützung sinnvoll wird

  • Sie können regelmäßig nicht abschalten.
  • Fehler, Krankheitstage oder Konflikte nehmen zu.
  • Sie haben deutliche depressive oder Angst-Symptome.
  • Sie sehen keinen realistischen Weg, die Belastung innerhalb der bestehenden Struktur zu reduzieren.
Bei akuter Selbstgefährdung

Konkrete Suizidgedanken oder unmittelbare Selbstgefährdung gehören nicht auf eine reguläre Warteliste. Nutzen Sie dann unmittelbar einen geeigneten ärztlichen, psychiatrischen oder psychosozialen Krisenweg; in einer lebensbedrohlichen Situation den Notruf 112.

Fragen für ein erstes Gespräch

  1. Welche Aufgabe ist objektiv nicht mehr leistbar?
  2. Wer setzt Prioritäten – Sie oder die Organisation?
  3. Wo sagen Sie Ja aus Angst vor Kritik?
  4. Wie hat sich Ihre Gesundheit in den letzten drei Monaten verändert?
  5. Welche Veränderung müsste auch der Arbeitsplatz leisten?

Wie Sie in Berlin weitergehen können

Neben Hausarzt und Psychotherapie können je nach Situation Betriebsarzt, Personalvertretung oder externe Beratungsangebote eine Rolle spielen. Psychotherapie sollte strukturelle und persönliche Faktoren getrennt bearbeiten.

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